

1300 Jahre Le Pecq, 04. - 06.06.2004
Selten hat uns ein Besuch in einer unserer Partnerstädte so viel Vorbereitung gekostet, aber auch so viel Vergnügen bereitet. Schon lange vor dem Ereignis am 5. Juni 2004 – genau 1300 Jahre, nachdem König Childebert einen Weinberg und ein Gelände an der Seine zum Ort Le Pecq erklärte und dies auch noch urkundlich besiegeln ließ – wurden wir als Delegation aus dem merowingischen *) Rheinland zum Jubiläumsfest eingeladen. Mit uns der Musikverein Allner, der unter seinem Vorsitzenden Werner Breuer und unter der musikalischen Leitung von Herrn Seepold das Können von deutschen Blasmusikorchestern ins Nachbarland transportieren sollte.
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte veranstaltete die Stadt ein historisches Stadtfest im Park Jean Moulin, zum ersten Mal sollte es einen Festzug geben, der sternförmig aus allen Stadtteilen zum Festplatz zieht, und zum ersten Mal sollten sich die Bürger der Stadt Le Pecq in mittelalterlicher Verkleidung präsentieren.
Wir Hennefer sollten uns als die „Grafen von Blankenberg“ mit ihrem Gefolge in den Festzug einreihen, und der Musikverein Allner wollte als die „Musiker aus dem fernen Osten“ in seinen Kosakenkostümen auftreten. Aber was ziehen wir an? Eine Rückfrage bei der Familie Keuenhof in Stadt Blankenberg – erfahrene Mittelalterspezialisten – wies uns den Weg in den Westerwald zu einem Kostümverleih, wo wir unter Hunderten von Kostümen aussuchen konnten: Burgherren, Burgfräulein, Knappen, Fischer, Jäger, Bauern und Landfrauen. Jede und jeder bekam ein passendes Gewand, vom dunkelroten, bestickten Samt bis zum einfachen Erdbraun der Landleute.
Begleitet wurden wir von der stellvertretenden Bürgermeisterin Frau Balansky, für sie gab es ihrer Aufgabe gemäß eine grünes Samtkostüm als „Hausmeier(in)“, und von Andrea Hauser vom Stadtmagazin, natürlich in Knappenuniform gewandet.
Der Tag begann mit
einem Frühstück im Ratssaal, zu dem die Festgäste,
besonders die aus der spanischen Partnerstadt Aranjuez und die aus Hennef,
herzlich begrüßt wurden. Bei herrlichem Sonnenschein - vielleicht
ein bisschen zu warm für dunkelrote Samtgewänder – sammelten
wir uns dann an unserem Startplatz für den Umzug. Von der anderen Seite
der Seine näherten sich die Bewohner von den zwei Stadtteilen „Mexique“ und „Canada“,
begleitet von einem riesigen Ochsengespann. Das hatten die meisten noch nie
gesehen.
Als Rheinländer mit Karnevalserfahrung kann man natürlich nicht verkleidet in einem Umzug mitgehen, ohne Kamelle zu werfen, und so hatten wir als die reichen Verwandten vom Rhein Schokoladen – Goldtaler als Wurfmaterial mitgebracht. Aber so einfach war das nicht. Weder riefen die Franzosen am Straßenrand „Kamelle“, noch ermunterten sie ihre Kinder, die Schokotaler einzusammeln. Im Gegenteil, sie sprangen ängstlich zur Seite, wenn die Goldtaler fielen. So blieb uns nichts anderes übrig, als den Kindern und Zuschauern die Taler direkt in die Hand zu geben.
Der
Weg zum Festplatz führte auf der Hauptstraße von Le Pecq entlang,
wobei wir erfuhren, dass eine Straßensperrung, wie sie hier zum Stadtfest
und zu Karneval selbstverständlich ist, in Frankreich fast nicht durchsetzbar
ist – es sei denn, die Tour de France erreicht die Champs Elysées.
Der Musikverein Allner war als einzige Musikkapelle im Umzug, und alle fielen
begeistert in den Marschschritt mit ein.
Auf dem Festplatz erwartete uns der
Bürgermeister Alain Gournac mit
seiner Frau, im Gewand des Edelmannes, wie es ihm zusteht. Und dann begann
das große Fest!
Bewundern konnte man echte Wölfe, den riesigen Ochsen, Gaukler, Jongleure,
Feuerspucker, eigens entworfene Briefmarken, Obst und Wein von den Hängen
von St. Germain – und 150 Liter Kölsch aus Hennef in Maßkrügen,
die extra für diesen Tag im Westerwald hergestellt worden waren. (Anm.d.Red.:
Es waren ½ Ltr.-Krüge, aber woher soll eine Norddeutsche den
Unterschied kennen?!) Auch wenn die Musiker des Musikvereins Allner beinahe
die besten Kunden am Kölschstand waren, die „Amis de Hennef“ haben
gezapft, was die Fässer hergaben. So kam es, dass die 150 Liter Bier
in knapp zwei Stunden ausverkauft waren. (Beim Vorgespräch hatten die
Franzosen uns signalisiert, 50 Liter Bier seien schon viel zu viel, da ja
Franzosen eigentlich kein Bier trinken.)
Den ganzen Nachmittag gab es Vorführungen auf der Bühne und ein Riesenpublikum auf der Festwiese. Der Musikverein Allner hatte die gesamte Festgemeinde auf seiner Seite, begeisterter Beifall begleitete ihre ganz unterschiedlichen Rhythmen.
Bis zum späten Abend saßen die Gäste an langen Tischen auf dem Festplatz und genossen das – nicht so mittelalterliche – Menü und den Wein. Und wer hat schon mittelalterlich gekleidete Menschen auf der Tanzfläche rocken gesehen. Historisch vielleicht nicht ganz authentisch, aber Spaß hat es gemacht! Den Heimweg hätten etliche von uns lieber barfuss angetreten, so sehr schmerzten die Füße nach diesem langen Tag.
Der Sonntag lockte wieder mit sonnigem Wetter, und der Musikverein Aller
genoss die Sonne am Schloss und im Schlossgarten von Versailles. Inzwischen
bereiteten die „Amis de Hennef“ für alle ein Picknick im
Park Corbière vor: Salat und Braten auf der Wiese unter schattigen
Bäumen.
Beim Abschied am frühen Nachmittag sahen wir noch, wie
sich unsere französischen Freunde nach diesem stressigen Wochenende
dem „Punch“ und dem Wein hingaben – verdient hatten sie
es.
Die Erinnerung an dieses Fest ist immer noch so lebendig, als wäre es
gestern gewesen, und unsere schönen Mittelalterkostüme haben wir
recht ungern wieder abgegeben.
Das Geschenk der Stadt Hennef an die Stadt Le Pecq konnte dem Bürgermeister nur auf dem Papier vorgestellt werden: es ist eine Steinstele mit der Inschrift „1300 Jahre Stadt Le Pecq – Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hennef gratulieren.“ Am 4./5. März 2005 wird die Stele vom neuen Hennefer Bürgermeister übergeben werden.
Erika Rollenske
*)
Die Merowinger sind das Geschlecht der ältesten fränkischen Könige.
Der Name ist abgeleitet von Merowech (oder Meroväus). Von ihm und seinen
beiden Vorgängern ist außer legendenhaften Überlieferungen
nichts bekannt. Von seinem Sohn Childerich I. wurde zumindest in Tournai
sein Grab gefunden. Sein Enkel Chlodwig I. regierte von 482 bis 511 und erhob
das Frankenreich durch Siege über Syagrius, über die Alemannen
und die Westgoten und durch die Annahme des Christentums zu weltgeschichtlicher
Bedeutung. (Anm. d. Red; aus einem Online-Lexikon)